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Fall Tugce: „Anruf aus dem Rotlichtmilieu“

7. Dezember 2014

Ein Ausschnitt aus einem Artikel bei „www.danisch.de“

„Mich rief eben ein Mann an, der lange Jahre Türsteher in einem größten (und meiner laienhaften Einschätzung nach wohl kriminellsten) Rotlichtbezirke Deutschlands war. Sieht nach seiner Eigenbeschreibung wohl auch so aus, wie man als Türsteher in dem Bereich wohl aussehen muss. Inzwischen hat er sich aus der Szene zurückgezogen, ist wieder unter die zivilisierten Menschen gegangen und verwertet seine Berufserfahrung, indem er heute in der Gewaltprävention arbeitet und beispielsweise Jugendliche trainiert, wie sie Gewalt- und Gefahrensituationen vermeiden, wie man sie überlebt, was man falsch und wie man es richtig macht. Also ein Mann mit unglaublich viel und echter Lebenserfahrung im Umgang mit Gewalt, Bedrohung, ethnischen Banden und eben solchen Straßenschlägereien. Der weiß, wie das abläuft, und hat unzählige solcher Situationen erlebt. Ein „Gewalt-Experte”. Der rief mich nun an, um mich für meine Tuğçe-Artikel zu loben. Und für mich sehr interessant war, warum er mich da loben wollte. Nämlich wegen eines Aspektes, der mir selbst gar nicht so bewusst geworden war. Nämlich Gewalt, Thema Straßenschlägerei. Er hat mir erklärt, wie brandgefährlich die Medienberichterstattung über Tuğçe und das von Familie, Freunden, Presse, Politik inszenierte Bild des Engels ist. Er hat sich die Sache angesehen und kam zu dem Schluss, dass das überhaupt nichts mit Zivilcourage zu tun hatte, sondern im Gegenteil damit, dass Tuğçe und auch ihre Begleiter sich da ziemlich dumm und falsch verhalten haben. Pure Dummheit. Genau das Gegenteil von dem, was Leute wie er zur Gewaltprävention lehren. Genau so, wie man es nicht machen soll.

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Da hat der mal so ein bisschen „aus dem Nähkästchen” geplaudert. Denn der hat ja Verbindungen in die Rotlichtszene und zur Polizei, und weiß deshalb von vielen Fällen, Gerichtsurteilen usw. Er sagte, dass Gewalt in Deutschland in vielen Bereichen gar nicht mehr bekämpft wird. In manchen Städten (er nannte mir zu seiner Stadt konkrete Zahlen, ich lasse zum Quellenschutz mal ein paar Details über den Wohnort weg, Größenordnung einfach einige zig tausend für deutsche Großstädte) entstehen ganze Heere von illegalen, nicht gemeldeten Bewohnern, die auch keine Schulen usw. mehr besuchen, und sich nur noch der Kriminalität widmen. Wird in Presse und Politik total totgeschwiegen. Das nimmt teils absurde Formen an. Er weiß von einer Bande von – ernsthaft – 7 bis 12-jährigen Mädchen, die nichts anderes machen, als in den Schulen die anderen Kinder zu überfallen, zu verprügeln, zu erpressen, abzuziehen. Macht keiner was. Und wer was macht, wird angeklagt. Ein Mann ist von einer Gruppe von Türken überfallen worden, die wollten ihn ausrauben. Er hat sich gewehrt, indem er einmal mit dem Pfefferspray rundum gesprüht hat. Angeklagt und verurteilt wurde nur er selbst. Weil er in einer Drehbewegung alle und nicht jeden einzeln angesprüht hat. Diese Form von Gewalt würde massiv protegiert und gar nicht mehr bekämpft. Die Polizei könnte und dürfte da auch nichts mehr machen. Darauf wandte ich ein, dass mir das auf den ersten Blick als widersprüchlich erscheine. Denn in diesem Falle würde die Presse ja vorgeblich das Einschreiten gegen Gewalt fördern, also Gewalt bekämpfen. Nein, meinte er, es sei andersherum. Deshalb würde auch kein Hahn nach dem krähen, der gerade in Hannover bei einem Überfall erschossen worden war. Es ginge darum, bestimmte ausländische Gruppen gegen Vorwürfe zu immunisieren. Es gehe darum, uns einzuhämmern, dass wenn Türken sich in fremde Angelegenheiten mischen und da einfach das Hausrecht über einen McDonalds übernehmen, wir das gefälligst gut zu finden, zu bejubeln und mit Bundesverdienstkreuz zu belohnen hätten, anstatt die Frage aufzuwerfen, wo die Polizei war, warum der eigentliche Inhaber des Hausrechts (McDonalds) nichts mehr gegen Gewalt unternimmt, wie es überhaupt zu einer solchen Situation mit betrunkenen Mädchen kommen konnte, und das ganz toll ist, wenn die da nachts auf Parkplätzen die Kontrolle ausüben. Es geht darum, uns an eine Straßenkriminialität durch ethnische Gruppen zu gewöhnen und die gut zu finden. Wir sollen lernen, dass wenn statt der Polizei da türkische Gruppen sagen, wo es lang geht, wir das toll finden und uns darüber freuen, dass die Zivilcourage wieder funktioniert. Abbau des Staates. Abbau der Polizei. Abbau des Rechtssystems. Macht Euch bitte klar, was das bedeutet: Ein Ex-Türsteher aus dem Rotlichtmilieu ruft bei mir an, um sich über ausufernde Gewalt, ohnmächtige Polizei, Abbau der Staatsmacht und darüber zu beklagen, dass man seine Deeskalationstrainings konterkariert und Konflikte anfeuert.

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8 Kommentare leave one →
  1. Alex Lund permalink
    7. Dezember 2014 16:57

    Hallo,

    unser Staat fängt an zu versagen. Lest mal in

    https://www.traditionalright.com/4gw-comes-to-ferguson/

    Hier der wichtigste Teil:

    it is the first 21st century case in the U.S. of a militia stepping in to keep order when the state fails. It is what we see happening regularly in other parts of the world where the state has disintegrated, but I did not expect it quite so soon on our own soil.

    If we wish to halt the rise of militias here, we need to focus, not on the militias, but on the reason they arise: the failure of the state. As Hobbes reminds us, the state came to be for only one reason: to maintain order, i.e., safety of persons and property. When the state is no longer able or willing to do that, other entities must take its place. The first requirement of any society is order, because without order life is nasty, brutish, and short.

    In Ferguson sind die Oath Keepers hingegangen und haben das gemacht, was eigentlich die Aufgabe der Polizei gewesen wäre: den Schutz der rechtschaffenden Bevölkerung zu übernehmen.

    Wenn die Polizei das nicht mehr macht, wird das Leben schnell hart und grausam. (Wenn das jemanden an Daniel Cohn Bendit erinnert, recht habt ihr: „Die multikulturelle Gesellschaft ist hart, schnell, grausam und wenig solidarisch, sie ist von beträchtlichen sozialen Ungleichgewichten geprägt (…)“[)

  2. 7. Dezember 2014 17:50

    Hat dies auf LichtWerg rebloggt.

  3. 7. Dezember 2014 18:02

    Aus dem Artikel:

    Feminismus hin oder her, Frauen sind Männern körperlich, an Größe, Kraft, Kampferfahrung und sonstwas alles, einfach unterlegen. Männer langen halt einfach stärker hin (und vertragen auch mehr). Ob man das gut oder schlecht findet, ist wurscht, so isses eben.

    Es gibt unzählige Filme in denen junge Frauen kämpfend reihenweise männliche Gegner niederringen. Darüber wundere ich mich bereits seit Jahren Niemand hingegen klärt die jungen Frauen heutzutage darüber auf dass das totaler Blödsinn ist und mit der Realität nicht das Geringste zu tun hat. So gesehen hat diese Angelegenheit eben sehr wohl etwas mit Feminismus zu tun.

  4. 8. Dezember 2014 05:28

    Man kann doch in jeder Suppe ein Haar finden. Hausrecht etc. alles recht und schön. Jemanden zu helfen, der bedroht oder angegangen wird, ist der normalste Vorgang und sollte öfters gemacht werden.
    Was die Typen lehren ist mir Schnurz egal. Im Prinzip läuft es darauf hinaus, gebt ihnen was sie fordern, stillhalten und kooperieren. Genau das ist falsch. Remmidemmi und wehren mit allem was man hat, falls aus irgendwelchen Gründen Gegenwehr nicht möglich oder sinnvoll ist, kann man immer noch Fersengeld geben. An erster Stelle steht allerdings festes, sicheres Auftreten.
    Dass das auch mal ins Auge gehen kann, liegt in der Natur der Sache, sich aber wehrlos zusammenschlagen lassen auch. Ich wundere mich oft, wenn man solche Videos zu sehen bekommt, wie sich die, oft gleichaltrigen, Opfer wehrlos ihrem Schicksal ergeben.
    Ich gehe jedenfalls nicht so billig her, weder auf der Straße,noch in meinem Haus.

    Die Schlüsse die der Erzähler, kann ich nicht teilen und was der Typ aus dem Rotlichtmilieu berichtet ist mir ohnehin wurscht. Ich gäbe mein Kind nicht in die Obhut solcher Kerle, die sollen ehrlicher Arbeit nachgehen, werden aber leider oft genug von unseren Steuergeldern bezahlt, um von ihren „reichen Erfahrungen“ zu berichten.

  5. 8. Dezember 2014 05:49

    Ich kann mir nicht helfen, wenn ich Artikel wie die obigen lese, kommt mir immer in den Sinn, da sind Leute gegen etwas, weil andere dafür sind, das kann auch umgekehrt geschehen. Die Medien sind gegen etwas also sucht man Gründe die dafür sprechen und man selbst wieder dagegen sprechen kann.
    Was ist geschehen, ein Typ schlug eine junge Frau, die junge Frau starb. Lassen wir den Hintergrund der Personen außen vor, lassen wir auch außen vor. Selbst wenn die junge Frau schnippisch oder gar frech war, ist dies noch lange kein Grund diese zu schlagen und schon gar nicht mir solcher Gewalt und damit hat sich die Sache.
    Der Kerl ist eindeutig der der falsch gehandelt hat, die junge Frau das Opfer von Gewalt.
    Wenn man das Thema schon behandeln will, dann nur auf diese Art und Weise.
    Wenn ein Deutscher erschossen oder erschlagen wird, sollte dies auf dieselbe Weise geschehen, wie auch, wenn ein Deutscher Täter ist.
    Was man auf der einen Seite einfordert, die Gleichbehandlung jedes Täters oders Opfers, darf man selbst nicht missachten.

    • 8. Dezember 2014 09:03

      Lieber Gerhard,
      Du weißt, vor ein paar Tagen wurde ein junger Mann erschossen, der einen Überfall bei einem Supermarkt verhindern wollte. Was lese ich?
      .
      „Handelte der junge Hannoveraner aus Zivilcourage, hat er die Lage falsch eingeschätzt oder war er einfach leichtsinnig? Möglicherweise dachte der Kunde, er könne den korpulenten, aber nur etwa 1,60 Meter großen Räuber leicht niederringen.

      Polizeisprecherin Jenny Mitschke gibt nur eine allgemeine Einschätzung: „Zivilcourage ist eine wichtige Sache, aber man sollte sich nicht in große Gefahr bringen.“ Über Zivilcourage wird zurzeit in ganz Deutschland diskutiert. Der Tod der Studentin Tugçe A. in Offenbach hat viele Menschen aufgerüttelt.“
      http://www.wa.de/lokales/hamm/stadt-hamm/toter-ueberfall-lidl-hannover-gleicher-taeter-hamm-4511825.html
      .
      Gelten in den beiden Fällen die gleichen Maßstäbe? Würden deutsche Medien im Fall Tugce diese Fragen auch stellen?
      Gruß
      Julius

      • 8. Dezember 2014 13:32

        Servus Julius,
        was DIE machen, ist nicht mein Maßstab.
        Gruß
        Gerd

  6. Karl Eduard permalink
    8. Dezember 2014 10:44

    Anscheinend sollen wir ans Wegschauen gewöhnt werden.

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