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Gehört der Islam zu Deutschland?

22. Januar 2015

„Der frühere Bundespräsident Wulff hat gesagt, der Islam gehört zu Deutschland. Das ist so. Dieser Meinung bin ich auch.“ läßt Frau Dr. Merkel uns am 12.01.2015 anläßlich des Besuches des türkischen Ministerpräsidenten wissen.

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Ich weiß nicht, wie es meinen verehrten Lesern geht, aber ich frage mich immer, was dieser Satz bedeuten soll.

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Meint sie explizit die Menschen oder die Religion?

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„Ich bin die Bundeskanzlerin aller Deutschen. Das schließt alle, die hier dauerhaft leben, mit ein, egal welchen Ursprungs und welcher Herkunft sie sind.“ läßt sie uns noch wissen. Also wieder was gelernt. Wer hier dauerhaft lebt, ist für Frau Merkel automatisch Deutscher.

Es könnte sein, daß sie die hier lebenden Moslems mit dem o.g. Satz meint. Aber dann hätte sie auch sagen können: „ Die hier lebenden Moslems gehören zu Deutschland“. Soviel Sprachverständnis dürfte man ihr zutrauen.

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Ein paar Tage später legt sie im FAZ Interview nach und konkretisiert den Satz: „Dass sehr viele Muslime hier in Deutschland leben, insgesamt rund vier Millionen Menschen, die entweder die deutsche Staatsangehörigkeit oder jedenfalls dauerhaft hier ihren Lebensmittelpunkt haben und in ihrer übergroßen Mehrheit rechtschaffene, verfassungstreue Bürger sind. Sie sind ein Teil von Deutschland, und der Glaube, der ihnen wichtig ist, ist es inzwischen auch.“

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Aber was ist z. B. mit den „Moslemen“, die nicht gläubig sind, die vielleicht sogar den Islam ablehnen und gerade deshalb nach Deutschland gekommen sind, weil dieses Land anders ist, als die moslemischen Länder? Der Schreiber dieser Zeilen hat selbst vor einiger Zeit einen Iraner kenngelernt, der schon lange in Deutschland lebt. Wenn man den über den Islam befragt, dann kommen Antworten…, o jemine.

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Aber offensichtlich meint die Kanzlerin nicht nur die Menschen, auch die Religion: „Natürlich stehen wir auf dem Fundament der christlich-jüdischen Traditionen aus den vergangenen Jahrhunderten. Wir sind durch eine gemeinsame Geschichte in Europa gegangen, wir hatten die Aufklärung. Daraus haben sich unsere heutige Werteordnung und unser Verhältnis von Staat und Glauben entwickelt. Wenn wir heute darüber sprechen, dass inzwischen auch der Islam zu Deutschland gehört, dann sprechen wir über die Realität unserer heutigen Gesellschaft. Und da gilt für mich, dass alle Menschen, die unsere Werteordnung teilen, mit ihrer Religion auch zu unserem Land gehören.“

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Sie spricht also von einer christlich-jüdischen Werteordnung und alle Menschen, die diese Werteordnung teilen, gehören mit der Religion zu diesem Land.

Teilen diese denn die Werte trotz oder wegen des Islams, Frau Kanzlerin? Merkel redet wieder einem Euro-Islam das Wort, den es – leider – nicht gibt. In welchem islamischen Land gibt es denn Demokratie? Oder Menschenrechte? Oder Religionsfreiheit?

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Und dann spricht sie eben doch über die Religion, äußert sich zum Salafismus: „…, der Salafismus gehört nicht zu Deutschland. Wir begegnen ihm mit den Mitteln unseres Rechtsstaats.“

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Erstens ist der Salafimus auch ein Teil des Islams, verehrte Frau Kanzlerin. Und zweitens finde ich den Satz schon etwas komisch, denn die Mehrheit auch der Salafisten wird sich hier an die Gesetze halten und ist auch nicht gewalttätig.

Wenn Frau Merkel es mit der Religionsfreiheit ernst meinen würde, hätte sie sich diese Worte gespart. Dauernd vom Grundgesetz labern, aber wenn es drauf ankommt, fliegt es in die Tonne. Das Grundgesetz kennt nämlich keinen Unterschied zwischen „gutem“ und „schlechtem“ Glauben.

Und sie stellt weiter fest: „Sogenannte Ehrenmorde, Gewaltexzesse in Familien oder Versuche, hier mit der Scharia eine Paralleljustiz zu etablieren, sind damit eindeutig nicht vereinbar. Das müssen wir klar sagen und durchsetzen.“

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Nun will die Mehrheit der in Deutschland lebenden Moslems sicher nicht die Scharia. Auf der anderen Seite, man kann sich nach deutschem Recht bei Streitigkeiten freiwillig einem Schiedsgericht unterwerfen und es steht nirgends geschrieben, daß dies nicht ein Schariagericht sein darf, z.B. bei zivilrechtlichen Streitigkeiten.

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Was bleibt? Mir ist nicht klar, was Merkel meint.

Sie redet zwar von moslemischen Mitbürgern, aber nur von denen, die unsere Werteordnung teilen. Das ist natürlich schon deshalb Unsinn, weil unsere „christlich-jüdische Tradition“ eben das genau nicht verlangt. Wer hier lebt, muß sich an die Gesetze halten. Das reicht völlig aus. Das er diese Regeln auch noch innerlich teilt, verlangen das Grundgesetz und die Rechtsordnung gerade nicht. Jeder hat Meinungsfreiheit in gleicher Art und Weise, egal wie „Verfassungskonform“ diese Meinung ist.

Insoweit steht Merkel selbst nicht auf dem Boden des Grundgesetzes. Vielleicht sollte sie die Werteordnung, die sie anderen abverlangt, zunächst einmal selbst verinnerlichen.

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2 Kommentare leave one →
  1. Senatssekretär FREISTAAT DANZIG permalink
    22. Januar 2015 20:34

    Hat dies auf Aussiedlerbetreuung und Behinderten – Fragen rebloggt.

  2. Franz permalink
    27. Mai 2016 23:19

    „Der Islam gehört zu Deutschland“. (Wie sinnvoll ist der Satz?)

    Der Satz ist ähnlich mit „Das Tätowieren gehört zu Deutschland“.
    Denn: historisch gehört der Islam so wenig zu Deutschland wie das Tätowieren.
    Deutschland ist ein freies Land (Frei für Deutsche, und nicht „frei“ im Sinne… Frei für Illegale Einwanderung).

    Der in Deutschland rechtens lebende Bürger, geniesst Freiheit. Dies beinhält auch die Freiheit des Deutschen Bürgers „sich zu Tätowieren“, oder „dem Islam beizutreten“.
    Aber zu behaupten, dass „der Islam zu Deutschland gehöre“, ist einfach ein Satz der nicht die richtige Balance hat.
    Was stark zu Deutschland gehört ist (unter anderem!) die Christliche Tradition und nicht der Islam.

    Ich schäme mich für Deutschland, wenn es den Bürgern in einer unverhältnismäßigen Weise verbreitet, dass der Islam zu Deutschland gehöre.
    Nein, in der Weise… gehört er nicht zu Deutschland. Statt dessen ist es die Freiheit (der Bürger), die zu Deutschland gehört. Das ist das höhere Gut.
    Es ist Blödheit, oder Unverantwortlichkeit, oder geziehlte Manipulation… wenn in einem selektiven Wahn von political correctness…. nebensächliche Tatsachen hervorgehoben werden; und den Bürgern untergerieben werden.

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