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Metternich über Diplomatie

25. Februar 2015

Fällt Ihnen auch auf, wie hyperventilierend und agressiv sich bestimmte westliche Politiker im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt aufführen? Dagegen sind die Russen ja noch handzahm. Und selbst unsere Kanzlerin kann sich noch benehmen. Daran mußte der Schreiber dieser Zeilen jedenfalls jüngst denken, als er Caroll Quigleys Buch „Katastrophe und Hoffnung“ las, wo dieser über die Diplomatie am Vorabend des 1. Weltkrieges schreibt: „Der Erfolg von Bismarcks «Blut-und-Eisen»-Politik tendierte dazu, die Anwendung von Gewalt und Einschüchterung in internationalen Angelegenheiten zu rechtfertigen und dagegen die Rolle der Diplomatie zu entstellen. Der alte Typus der Diplomatie begann zu verschwinden. Statt einer Diskussion unter Gentlemen, um eine tragfähige Lösung zu finden, wurde die Diplomatie jetzt zum Bemühen, dem Gegenüber die eigene Stärke zu zeigen, um ihn davon abzuschrecken, die eigenen offensichtlichen Schwächen auszunützen. Metternichs alte Definition, «ein Diplomat ist ein Mann, der sich niemals die Annehmlichkeit eines Triumphes erlaubt», ging jetzt vollständig verloren.“

Unter anderem macht Quigley auch die Demokratie für solche Fehlentwicklungen verantwortlich: „Der Einfluss der Demokratie ließ die Spannung während einer Krise wachsen, weil gewählte Politiker es für notwendig hielten, den irrationalsten und primitivsten Instinkten des Wahlvolkes zu schmeicheln, um eine zukünftige Wiederwahl sicherzustellen. Sie taten das, indem sie mit Hass- und Furchtgefühlen gegenüber mächtigen Nachbarn spielten oder so attraktive Themenkomplexe wie territoriale Expansion, nationalistischen Stolz, «einen Platz an der Sonne», «einen Zugang zum Meer» und andere wirkliche oder imaginäre Vorteile ansprachen. Zugleich spielte die populäre Presse, die Zeitungen verkaufen wollte, mit denselben Instinkten und Themen, erregte dadurch die Menschen, trieb ihre eigenen Politiker zu Extremen und alarmierte Nachbarstaaten bis zu dem Punkt, an dem sie im Namen der Selbstverteidigung ähnliche Methoden zur Anwendung brachten. Darüber hinaus machte es die Demokratie unmöglich, die internationalen Streitfälle in ihrer Substanz zu untersuchen, sondern machte im Gegenteil aus jedem läppischen Zwist eine Frage von Ehre und nationalem Prestige. Dadurch konnte kein Streitfall nach seiner wirklichen Substanz untersucht oder als einfacher Kompromiss gelöst werden, weil eine derart besonnene Haltung von der eigenen demokratischen Opposition sofort als Gesichtsverlust und faule Kompromittierung überspannter moralischer Prinzipien verdammt worden wäre.“

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