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Innenansichten der Macht

7. Mai 2015

Bernd Ulrich, Redakteur der Zeit, beschäftigt sich in seinem Artikel „Warum sagen sie nicht, was ist?“ mit den inneren Zweifeln unserer politischen Kaste, zu der er offensichtlich Zugang hat.
Man äußere ihm gegenüber Ängste darüber, daß „der Krieg in der Ukraine weiter eskaliert und Griechenland doch pleitegeht und wenn die unsägliche Marine Le Pen französische Präsidentin wird und ihr Land isoliert und wenn die Briten aus der EU verschwinden, dann, ja dann – aber bitte schreiben Sie das nicht.“

An anderer Stelle schreibt er über einen privaten Gesprächskreis, Teilnehmer „CEOs global agierender Konzerne, Spitzenpolitiker und Journalisten“, die sich wegen der Rußlandpolitik in die Haare bekamen und die Debatte eine „erbitterte Diskussion über Putin und die EU-Sanktionen“ wurde, einschließlich Anschreien und späterer Entschuldigung.

Schuld an der Unaufrichtigkeit sei der Wähler, der eine „strukturelle Schizophrenie“ habe, da es ihm „ungewöhnlich gut“ gehe, was es schwer mache, „sich produktiv zu all den Krisen zu stellen, sind sie doch zugleich massiv und abstrakt.“

Wer hat denn jahrelang – gesetzt die Analyse wäre richtig – die Wähler denn in diesen Zustand der kindlichen Sorglosigkeit versetzt?

Angeblich habe man sich nach 1990, als der Ost-West-Konflikt zusammengebrochen sei, zu lange der Illusion hingegeben, daß nun alles friedlich laufe, dabei seien die Konflikte doch der Normalfall und nicht die Harmonie.

Ulrich sieht den Zustand dieser „Elite“ als so ernst an. Denn man könne die Politiker in Hintergrundgesprächen „nicht mehr, wie früher üblich, mit Kritik am meisten provozieren …, auf die sie dann pflichtgemäß antworten, alles sei zum Besten bestellt und auf gutem Weg. Heute reizt man sie mit: Optimismus. Dass es auch gut gehen könnte, ist für viele dieser Insgeheim-Apokalyptiker schon am Rande des Vorstellbaren.“
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Komisch, daß der Euro in diesem Artikel keine Erwähnung findet. Die abartig niedrigen Zinsen. Die hemmungslose Gelddruckerei der EZB.

Merkwürdig, daß unsere herrschende Kaste offensichtlich in den Vorstellungen selber gefangen ist, die sie uns den ganzen Tag predigen.

Kommt denn keiner von denen nur einmal auf den Gedanken, welche Rolle der Westen im Ukraine-Konflikt spielen könnte? Haben Friedman von Stratfor und sein Interview im „Kommersant“ denn keine Beachtung gefunden? Friedmann sieht die treibende Kraft in dem Konflikt in den VSA.
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Ich fürchte, daß wahre Problem sind Politiker, die meist im Leben nie ihren „Mann gestanden haben“, deren politische Qualifikation darin besteht, sich in Hinterzimmern von Parteiversammlungen eine Hausmacht gesichert zu haben. Kämpfen können die nur gegen „Parteifreunde“, auf dem Gebiet der Außenpolitik geben sie sich konfliktscheuch, um bei den „Freunden“ nicht anzuecken. Ob dies schädlich für Deutschland ist, scheint egal zu sein.
Der früher so herbeigesehnte „Quereinsteiger“ ist nicht mehr gefragt.
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Mut- und Ideenlos dümpelt das Schiff „Deutschland“ unter ihrer „Leitung“ dahin. Immerhin haben sie Angst und Sorge, schön daß wir das nicht alleine haben.
Könnten sie diese vielleicht produktiv umsetzen, schließlich haben die auch Freunde und Verwandte, die eine Zukunft möchten.

Als Merkel unlängst zu einem Blitzbesuch nach Minsk aufbrach, um in letzter Minute das „Minsk II-Abkommen“ zu schmieden, hatte ich bereits das ungute Gefühl, daß die Frau nur dann gestaltend tätig wird, wenn die Panik sich auch langsam bei ihr einschleicht. Aber, Frau Merkel, nicht immer kann man das Gesetz des Handeln noch im letzten Moment bestimmen. Manche Sachen lassen nicht irgendwann nicht mehr umkehren, dann ist es eben einfach zu spät.

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One Comment leave one →
  1. Senatssekretär FREISTAAT DANZIG permalink
    7. Mai 2015 14:34

    Hat dies auf Aussiedlerbetreuung und Behinderten – Fragen rebloggt und kommentierte:
    Glück, Auf, meine Heimat!

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