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„Der letzte große NS-Prozess“

18. Juli 2015

schreibt die „Süddeutsche“, aber nicht wegen Oskar Gröning in Lüneburg, sondern über Iwan Demjanjuk im Jahre 2009.

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Ist es denn jetzt vorbei? Mitnichten, meint die „Jüdische Allgemeine“ und schreibt: „Die Zentrale Stelle in Ludwigsburg ermittelt noch in etlichen Fällen, und erst jüngst musste die Staatsanwaltschaft Beschwerde einlegen, weil das Landgericht Neubrandenburg sich weigerte, ein Hauptverfahren gegen einen 94-jährigen früheren SS-Sanitäter zu eröffnen. Und das Landgericht Detmold prüft derzeit, ob ein Prozess gegen einen 93-jährigen ehemaligen Auschwitz-Wachmann stattfinden wird.“

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Werden wir noch Strafprozesse gegen 100jährige erleben, um Ereignisse, die dann 80 Jahre zurückliegen? Wo gab es das in der Menschheitsgeschichte schon einmal?

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Was hatte Gröning denn nun eigentlich getan, um eine Beihilfe zum Mord an 300.000 Menschen zu leisten? Das Landgericht Lüneburg gibt sich in seiner Pressemitteilung zum Urteil wortkarg: „Die Beihilfehandlung zur heimtückischen und grausamen Tötung hat die Kammer in der Gesamtheit der Tätigkeit des Angeklagten im Rahmen der Ungarnaktion in Auschwitz gesehen.“ Dann wäre auch jeder Funktionshäftling, der – um eigener Vorteile wegen – sich den Deutschen andiente, auch vor Gericht zu stellen. Werden wir bestimmt noch erleben!

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Und sollte es dem Angeklagten zugute gehalten werden, daß die Justiz ihn erst nach 70 Jahren anklagte? „Eine rechtsstaatswidrige Verfahrensverzögerung, nach der ein Teil der Strafe – wie von der Staatsanwaltschaft beantragt – als vollstreckt zu erklären wäre, hat die Kammer für den Angeklagten nicht festgestellt. meint das Gericht. Er habe trotz seiner Aussagen auch nichts wesentliches zur Aufklärung anderer NS-Straftaten beigetragen. Diese Strafmilderungsgründe fallen nach Ansicht des Gerichtes weg.

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Dann fragen wir einmal umgekehrt: 4 Jahre Haft für 300.000 Tote? Das sind 75.000 Tote pro Jahr, bei 365 Tagen sind es 205 Tote pro Tag Haft, 8,56 Tote pro Stunde, 7 Minuten Haft pro Todesfall, bei Halbstrafenregelung nur 3,5 Minuten.

Ein wahrhaft mildes Urteil.

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