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Wut, Zorn und Trauer

23. März 2016

Der Schreiber dieser Zeilen muß zugeben, daß er, als er von den Anschlägen in Brüssel erfahren hat, wenig Trauer empfunden hat, mehr Wut und Zorn.

Wut gegen Menschen, die völlig Unbeteiligte töten und verletzen, deren Leben und das ihrer  Angehörigen zerstören oder traumatisieren.

Und Zorn gegen eine Politik, die bewußt Terror importiert. Und, soweit schon Probleme bestehen, nichts dagegen unternimmt.

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Ist das jetzt herzlos?

Wie kann ich um Leute trauern, die ich nicht kenne? Mitleid empfindet man schon, aber Trauer?

Und ich weiß nicht, wie es Ihnen geht: Mich widern diese neuen Trauerrituale an, dieses „Je suis blabla“ posten, dieses schwachsinnige Anstrahlen von Gebäuden. Gebäude soll man am Nationalfeiertag anstrahlen, bei der 750 Jahr Feier der Stadt, bei einem Sportfest. Aber nach einem Terroranschlag?

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Irgendwelche Talkrunden, wo alle Betroffenheit und Trauer heucheln und man sich immer fragt, warum diese Leute das tun.

Betroffenheit meint doch, daß es einen tatsächlich betrifft. Aber eigentlich denken doch alle: Die armen Opfer, aber, St. Florian sei Dank, ich und meine Lieben sind nicht betroffen.

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Oder die immer gleichen Sprüche: „Wir müssen es stärker bekämpfen“, „Wir brauchen eine bessere europäische Zusammenarbeit und Abstimmung“ usw. Oder man sei solidarisch mit den Brüsselern.

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Hohle Phrasen.

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Am Anfang mag man bei solchen Anschlägen noch ratlos sein. Man will aber die Hilflosigkeit, die innere Leere, diese Gefühlsaufwallung, die so etwas auslöst, bewältigen und schaltet das Fernsehen ein, will nicht alleine sein mit den Gefühlen.

Selten wurde in der Vergangenheit dann, unmittelbar nach den Ereignissen, etwas wirklich Vernünftiges gesagt.

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Aber jetzt sind wir in einer anderen Lage: Diese Anschläge erleben wir das x-te Mal. Und ich will dann wirklich etwas Substantielles hören, nicht das hilfslose BlaBla wie beim ersten Mal. Diese – ebenfalls ritualisierte – Sprachlosigkeit der Floskeln inmitten eines Wortschwalles macht mich kirre.

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Entschuldigt, liebe Opfer, daß ich nicht trauere.

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Aber wenn überhaupt ein Sinn in Eurem Leid liegen soll, dann nur der, daß wir alles unternehmen müssen, damit sich so etwas nicht wiederholt.

Und da sind Wut und Zorn bessere Antriebsfedern als Trauer.

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6 Kommentare leave one →
  1. 23. März 2016 15:17

    Hat dies auf Manfred O. rebloggt.

  2. Elsterkette permalink
    23. März 2016 16:29

    Geht mir ganz genauso.

    Auch so eine hohle Phrase: „Wir werden unsere Werte mit aller Entschiedenheit verteidigen.“
    Natürlich. Wenn das dann tatsächlich einer tut, ist er wieder der ewig gestrige, intolerante, rückwärtsgewandte Nazi, Deutschtümeler, Globalisierungsverlierer und weiß der Geier was nicht noch alles.

    Ich kann dieses heruntergeleierte Betroffenheitsgefasel auch nicht mehr hören. Ich fürchte nur, wir werden es noch oft zu hören bekommen, weil sich die Anschläge in immer kürzeren Abständen wiederholen werden.
    Vielleicht fällt der Text mal etwas anders aus, sollte solch ein Anschlag in Deutschland passieren.

  3. gebis permalink
    23. März 2016 16:42

    Ich hab‘ noch nie von „Je suis Beslan, Wolgograd, Moskau, Sinai, Damaskus, Aleppo, Homs, Odessa, Kiew“,etc…….gehört. Dass die Farben der russischen oder syrischen Fahne auf irgendein Gebäude projeziert wurden, ist zumindestens mir entgangen. Die Opfer dieser Anschläge in Paris oder Brüssel sind mir fremd und daher berührt es mich ebensowenig, wie ein Anschlag irgendwo auf der Welt. Im Gegensatz zur deutschen RechtsNaziCDUPresse freue ich mich nicht unterschwellig über Opfer in Syrien/Russland/etc.. und vergieße hysterische Propaganda-Krokodilstränen über opferreichen Terror in irgendeinem EU-Staat. Wer den Terror unterstützt, wird irgendwann halt mit Terror aufwachen, was zu erwarten war. Meine Mobilisierungsempörung hält sich in Grenzen, mehr gibt’s einfach nicht…

  4. 23. März 2016 18:40

    Hat dies auf Freiheit, Familie und Recht rebloggt und kommentierte:
    Ich kann mich Julius Rabenstein nur anschließen. Man muss die Verursacher dieser Anschäge hassen und
    verurteilen, welche im Hintergrund die Drähte
    ziehen und die Anschläge organisieren!

  5. 23. März 2016 22:49

    Ein wirklich ausgezeichneter Kommentar.
    Danke, so etwas mußte gesagt werden.

  6. 23. März 2016 22:50

    Prima, sehr gut!

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