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Erste Amazon-Rezension des Buches „Die Getriebenen: Merkel und die Flüchtlingspolitik: Report aus dem Innern der Macht“

13. März 2017
des Welt-Journalisten Robin Alexander.
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„Vergangenheitsbewältigung durch Flüchtlingshilfe“ (71) – Packend-schockierender Bericht aus dem innersten Machtzirkel, 13. März 2017
Rezension bezieht sich auf: Die Getriebenen: Merkel und die Flüchtlingspolitik: Report aus dem Innern der Macht (Gebundene Ausgabe)
Viel ist in den vergangenen 18 Monaten darüber diskutiert und spekuliert worden: Was hat Angela Merkel dazu bewogen, am 4. September 2015 die Grenzen – unter Aussetzung deutschen und europäischen Rechts – für jeden zu öffnen, der das Wort Asyl aussprechen kann, eine Entscheidung, die in den Flüchtlingslagern in der Türkei und in Jordanien als Einladung verstanden worden ist und den Migrantenstrom somit um ein Vielfaches verstärkt hat? War es die aus ihrer christlichen Erziehung resultierende Überzeugung, notfalls im Alleingang das Elend der Welt lindern zu wollen? War es die Begegnung mit dem Flüchtlingsmädchen Reem im Juli 2015, welche vor der Kanzlerin im Rahmen eines sogenannten Bürgerdialogs in Tränen ausbrach? Oder war es die überzeugte Europäerin, die überzeugt war, nur durch ein Eingreifen Deutschlands könnten die instabilen Staaten Süd- und Südosteuropas vor dem Kollaps bewahrt werden? In dem fesselnden Bericht „Die Getriebenen – Merkel und die Flüchtlingspolitik“ rekonstruiert der Welt-Journalisten Robin Alexander die entscheidenden Stunden, Tage und Wochen der sogenannten Flüchtlingskrise, die den Leser teils fassungslos zurücklassen.

Alexander berichtet, als sei er in den entscheidenden Momenten selbst dabei gewesen, in den Konferenzräumen, bei den persönlichen Gesprächen, am Handy. Da einige seiner Informanten ihren Namen nicht genannt wissen wollten, habe er komplett auf die Offenlegung seiner Quellen verzichtet, um, so der Autor, keine Rückschlüsse zuzulassen. So stellt Alexander als Ergebnis seiner Recherche die These auf, dass der alles entscheidende Tag der Migrationskrise nicht der 4., sondern der 12. September gewesen sei. Der verblüfften Leserschaft offenbart der Journalist, dass sich Merkel, de Maizière, Gabriel, Altmaier, Seehofer und Steinmeier darauf verständigt hätten, die Grenzen ab dem kommenden Tag zu schließen – auch und gerade für Asylsuchende. Polizisten seien über Nacht zu Tausenden an die deutsch-österreichische Grenze verlegt worden. Doch als der konkrete Befehl von de Maizière gegeben werden soll, habe dieser beim Präsidenten der Bundespolizei Dieter Romann per Handy nachgefragt, ob hässliche Bilder an der Grenze ausgeschlossen werden könnten, was dieser verneint habe (vgl. S. 23 f.). Daraufhin habe sich der Innenminister bei Merkel telefonisch rückversichert, ob er den Befehl trotzdem geben solle. Diese habe sich nicht klar geäußert und dadurch die Verantwortung allein in die Obhut ihres Ministers gegeben. Daraufhin habe dieser im Grenzschließungsbefehl die zentralen Worte, dass jeder „auch im Falle eines Asylgesuches“ (24 f.) zurückgewiesen werden solle, gestrichen und somit die Grenzen für alle offengehalten. Das Fazit Alexanders zu den Prozessen im Innersten der Macht an diesem Tag liest sich wie eine Bankrotterklärung der politischen Elite der Bundesrepublik Deutschland: „Die Grenze bleibt offen, nicht etwa, weil es Angela Merkel bewusst so entschieden hätte, oder sonst jemand in der Bundesregierung. Es findet sich in der entscheidenden Stunde schlicht niemand, der die Verantwortung für die Schließung übernehmen will“ (26).

Der Fokus der Darstellung liegt auf den Beginn der Migrationskrise im September 2015 bis zur Schließung der Balkanroute und dem EU-Türkei-Deal im März 2016. Dabei versucht Alexander, alle relevanten Dimensionen – die politische, die mediale, die öffentliche – entsprechend zu würdigen. Kritisch setzt sich der Journalist auch mit der Rolle seines Metiers auseinander, er, der seit 2013 Teil des Trosses von Angela Merkel ist und im Sommer 2015 eifrig am regierungshörigen Jubeljournalismus beteiligt war. Im Rückblick kritisiert er die heuchlerische „Wir helfen“-Kampagne der „Bild“ sowie die berühmt-berüchtigte „Helles Deutschland – Dunkles Deutschland“-Ausgabe des „Spiegel“, in der das Hamburger Magazin das deutsche Volk in „Nazi oder Flüchtlingshelfer“ (70) einteilte. Seine Zeitung, freilich, die „Welt“, bleibt außen vor. Mit spürbarer Distanz kommentiert der Autor auch die völlig irrationalen Hoffnungen, die zu Beginn in die Migranten hineinprojiziert worden sind: „Die Flüchtlinge sollen die Deutschen nicht nur von ihrer Vergangenheit erlösen, sondern auch von ihrem zukünftigen Schicksal als überaltertes Volk“ (73). Stellvertretend für den Realitätsverlust innerhalb der politischen Klasse, zitiert Alexander Katrin Göring-Eckhardt mit einer Aussage, die heute so klingt, als stamme sie aus einem anderen Zeitalter: „Wir sind Weltmeister der Hilfsbereitschaft und Menschenliebe!“ (82)

Wahrlich neu und erhellend ist aber – wie bereits angedeutet – die Analyse des Zustandes unserer politischen Eliten und die Art, wie in der BRD Entscheidungen zustande gekommen sind, die unser Land irreversibel verändert haben. Es gebe in der Führung CDU kaum noch Politiker, so Alexander, die eine Hausmacht und somit ein gewisses Maß an Unabhängigkeit von der Kanzlerin besäßen. Viele seien vielmehr direkt von Merkel abhängig und somit nicht mehr als unterwürfige Erfüllungsgehilfen der Wünsche ihrer Herrin. In einer witzigsten Formulierungen des Buches liefert der Autor eine prägnante Charakterisierung dieses Politikertypus‘: „Kanzleramtschef Altmaier etwa würde auch im Gewitter mit klugen Worten darauf bestehen, es scheine die Sonne, wenn diese Behauptung seiner Kanzlerin nützte. Und der Fraktionsvorsitzende Kauder würde seinen Abgeordneten im Zweifelsfall erklären, dass sie ihr Mandat nur Angela Merkel verdankten und deshalb schlicht zu glauben haben, die Sonne scheine“ (144). Dass in solch einem Umfeld die Fähigkeit und der Wille Verantwortung für große Ganze zu übernehmen wenig ausgeprägt ist, liegt auf der Hand und lässt sich exemplarisch im September 2015 beobachten.

Fazit: Das Buch liest sich in weiten Teilen so spannend wie ein gut geschriebener Roman, da Alexander auch von Erzähl- und Stilmitteln aus der Welt des Fiktionalen Gebrauch macht. Die (möglichen) Gedankengänge der Beteiligten gibt er häufig in der freien indirekten Rede wieder, sodass der Leser den Eindruck hat, direkt mit dabei zu sein, wenn de Maizière mit sich ringt, ob er nun den Grenzschließungsbefehl geben soll oder nicht, oder Horst Seehofer zunehmend an der für ihn nicht nachzuvollziehenden Starrhalsigkeit der Kanzlerin verzweifelt. „Die Getriebenen“ wird hohe Wellen schlagen und dem Diskurs über die Frage der Verantwortlichkeit bezüglich des Staatsversagens in der sogenannten Flüchtlingskrise neuen Auftrieb verleihen.

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8 Kommentare leave one →
  1. 13. März 2017 11:13

    Das ist klever
    Ein teil der masche den leuten einzureden alles war nicht geplant es hat sich entwickelt und ist entschuldbar
    Man koente sogar Gott die schuld in die schuhe schieben
    And Merkel gewinnt die wahl

  2. 13. März 2017 20:43

    Der Dreck ist unglaubwürdig: Daß die gedenken, vorläufig erst einmal, 250 Millionen Neger in Europa anzusiedeln, haben die schon vor 8-9 Jahren durch ihre Hofnarren ankündigen lassen. Oder, daß die Kähne auf unser aller Unkosten 500 km zur zur nordafrikanischen Küste fahren, um die armen Schiffsbrüchigen, keine 10 km davon entfernt, zu retten, sie aber dann 500km zu uns transportieren, sollte auch weniger Gewitzte stutzig machen – tut es aber nicht. U.v.m.
    Journalist ist der vornehmere Ausdruck für Dreckschwein, wußte schon Louis Aragon.

    • 15. März 2017 16:51

      > unglaubwürdig
      Das denke ich auch. Statt Quellen zu nennen erzählerische Stilmittel, die Nähe und Authentizität simulieren sollen. Die Rezension entlarvt das Buch, so dass ich gar keine Lust mehr habe, es zu lesen.
      > auf unser aller Unkosten
      Es gibt keine Unkosten. Das wären Erträge.
      > sollte auch weniger Gewitzte stutzig machen
      Und ja, das ist ein Problem, dass man die Mensch aus humanitären Gründen möglichst nahe an der afrikanischen Küste herausfischen muss, damit aber die Hemmschwelle noch weiter senkt. Das hat wenig mit Gewitztheit zu tun, sondern mehr mit Gier. Ich komme immer wieder auf meine Forderung zurück, die wirtschaftliche Ausbeutung dieser Länder sofort (auf unsere Kosten) und nachhaltig zu beenden, um den Migrationsdruck zu senken.

      • 15. März 2017 17:07

        Du willst die „wirtschaftliche Ausbeutung“ dieser Länder beenden.
        Eine ehrenwerte Forderung, nur leider ohne jeden praktischen Wert. Wie soll das denn geschehen? Willst Du den VSA, China, Rußland usw. den Krieg erklären?
        Nicht bös gemeint von mir, aber mit solchen Sonntagsreden kommen wir auch nicht weiter. Das ist die gleiche Kategorie wie dieses „Fluchtursachen beseitigen“ Gerede.
        Wir müssen jetzt konkret handeln. 2016 hat die „Flüchtlingskrise“ schon mehr als 40 Mrd. gekostet, wenn der Familiennachzug kommt, sind wir schnell bei 100 Mrd. Wer soll das zahlen, zumal in ein paar Jahren die Babyboomer in Rente gehen werden? Wir werden einen enormen wirtschaftlichen Abstieg erleben.

  3. 13. März 2017 21:57

    Laleh Hadjimohamadvali — Welch lieblicher Name.
    Ja, liebe Frau, nun weiß ich endlich, was Gruseln ist.
    @ Gucker: Ich würde den Laden AzD nennen, nicht mehr AfD. Sogar den Mohren von Schleswig-Holstein hätte man zur Not noch schlucken können, ne, eigentlich ja nicht, aber diese Lala Hadschihudschimullah haut den dicksten Eskimo von der Palme.
    Also, wenn die Bibeltreuen Christen antreten sollten … (Wer beim Knaben liegt, wie beim Weibe, die haben beide ein Greuel getan…) – wenn nicht, die Yogischen Flieger.

  4. 13. März 2017 23:48

    „@ Gucker: Ich würde den Laden AzD nennen, nicht mehr AfD“

    Einverstanden, wenn du dich dann besser fühlst ….

  5. 15. März 2017 16:59

    Merkel bei „Anne Will“ am 08. Okober 2015 zur Frage eines Aufnahmestopps:
    „Wie soll das funktionieren? Sie können die Grenze nicht schließen. Es gibt den Aufnahmestopp nicht.“ Auch Zäune seien keine Lösung, siehe Ungarn. Es liege nicht in der Macht der Bundesregierung, wie viele Menschen kommen.“
    https://www.tagesschau.de/inland/merkel-anne-will-103.html

  6. 15. März 2017 19:45

    @Julius
    ich zieh das mal raus, sonst wird die schmale Spalte so lang…

    > Wie soll das denn geschehen?
    Ich habe in meinem Blog schon ausführlich beschrieben, welche Möglichkeiten Europa zur Verfügung stünden, diese Art der Vorneverteidigung umzusetzen – auch ohne gleich jemandem den Krieg zu erklären. Man müsste es halt nur tun und dabei auch eigene Härten in Kauf nehmen, vor allem für hier wirkende Großkonzerne. Und das will keiner™.
    > enormen wirtschaftlichen Abstieg
    40 oder 100 Mrd. schrecken mich wenig und führen auch nicht zum wirtschaftlichen Abstieg. Es müssten vielmehr einfach mal Steuern auf die Umsätze in Europa gezahlt werden, dann wäre das zehnmal finanziert. Aber auch daran hat natürlich niemand™ Interesse.

    Beides wäre nur ein Federstrich – und dann eben den A* in der Hose haben, die Folgen auszuhalten. Aber es passiert nicht.

    Stattdessen werden da einfach nur die Türen aufgemacht, aber nicht das Notwendige getan wird, die Menschen auch in die Gesellschaft aufzunehmen. Wir importieren da sehr eigenartige Ansichten, aber lassen die Leute damit allein und ohne Arbeit halbwegs kaserniert ihre inzestösen Hirnfürze entwickeln. Das betrifft mich das als homosexuelle Frau nicht nur gleich zweimal, sondern auch „die, die schon länger hier sind“ und kann auch für die Geflüchteten selbst nicht gut ausgehen.

    Trotzdem: Nur am Symptom rumzudoktern macht es nicht besser, so lange die wirklichen Probleme nicht abgeräumt werden. Und weil die Fokussierung der gesellschaftlichen Diskussion auf das Symptom nur davon ablenkt, ist sie nicht nur unwürdig, sondern auch sachlich schädlich.

    Solange sich Systemkritik wegen wahrhaftig dummes rechtes Geschwafel a la Gauland und Höcke leicht rechts konnotiert werden kann, oder eben wie hier belegfrei als Krimi daherkommt, lacht sich dieses System doch ins Fäustchen. Und da braucht es keine jüdische Weltverschwörung, Echsenwesen oder Umvokungspläne – sondern einfach nur ein gewisses grundlegendes Verständnis für die Interessenlagen der Beteiligten.

    Weil die Postfaktischen das ignorieren, schaden sie echter Veränderung.

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