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Vier bedeutende Reformatoren der deutschen Sprache

21. Juli 2022

Aus Wolf Schneiders Buch „Speak German“ von 2008.

Heute müßte man noch die fünfte Reform erwähnen, die Zerstörung der Sprache durch Genderwahn:innen. Aber da steckt kein Einzelname dahinter, sondern eine Denkseuche.

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Und jetzt Wolf Schneider:

Bei LUTHE R ist das über alle Maßen klar: Aus Ansätzen zu einer deutschen Literatursprache, Anleihen bei der Kanzleisprache der Habsburger und einem Querschnitt durch die deutschen Mundarten mischte er jene Gemeinsprache zusammen, auf der das Neuhochdeutsche fußt.
«Der Mutter im Hause» schaute er dabei aufs Maul vor allem aber übersetzte er die Bibel so, dass das Volk ihm aufs Maul schaute, und mit Hilfe des Buchdrucks wurde sie zum ersten Massenmedium der Geschichte.
BISMARCK nötigte der Deutschen Reichspost 1874 nicht weniger als 760 Eindeutschungen auf, zumal aus dem Französischen und dem Italienischen – und wer heute lieber postlagernd sagt als poste restante, einschreiben als recommandieren, Postanweisung als mandat, der beweist : Selbst durch Befehl von oben lässt die Sprache sich ändern, und das muss nicht zu ihrem Nachteil sein (mehr in Kapitel 19).
RUDOLF AUGSTEIN, Vater des Spiegels, dachte sich 1947 als Markenzeichen für sein Magazin ein Quantum Sprachmarotten aus: die Abschaffung des Possessivpronomens zum Beispiel («Ehefrau Hilde mit Sohn Otto») oder die Versaubeutelung des Genitivs («Die Lehre von Psychologe Hintermeier»). Augstein hat damit die gesamte deutschsprachige Presse erobert bis nach Bozen und nach Appenzell, und großenteils sind seine Flausen schon in die Gemeinsprache eingegangen.
ALICE SCHWARZER war eine der ersten deutschen Vorkämpferinnen des feministischen Sprachgebrauchs; sie verlangte, dass die weibliche Form immer zusätzlich zu nennen sei: die Wählerinnen und Wähler, die Demonstrantinnen und Demonstranten, und wenn nicht die Lehrerinnen und Lehrer, dann wenigstens die Lehrpersonen. Zwar findet die große Mehrheit der Deutschen dies lästig oder überflüssig – aber alle Politikerinnen und Politiker, Beamtinnen und Beamten, Gewerkschaftlerinnen und Gewerkschaftler hat die Schwarzer am Gängelband, und da auch die meisten Journalistinnen und Journalisten nach.

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Bismarcks Verdienst
Auf Weisung des Reichskanzlers übersetzte die Reichspostverwaltung nicht weniger als 760 französische und italienische Fachwörter ins Deutsche; mit der Postverordnung vom 21. Juni 1875 wurden die deutschen Begriffe verbindlich. Überwiegend sind sie uns so selbstverständlich, dass wir einräumen müssen: Auch Behörden können zuweilen Sprachgefühl entwickeln. Auf der Liste standen beispielsweise
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Briefumschlag statt Couvert
einschreiben          recommandieren
Postanweisung          Mandat
Postkarte        Correspondenzkarte
postlagernd        poste restante
Rückschein      Retour-recepisse

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